Öko, Bio, Regional und andere Kleinigkeiten…

Da ich kürzlich erst mit Befürwortern möglichst großer Giftspritzen auf G+ zusammengerasselt bin, vielleicht mal ein paar Worte zu meiner Einstellung. Nochmal, mit aller Deutlichkeit: meiner Einstellung. Meine Meinung. Kann man teilen, muss man nicht.
Ich werde auch hier keine Studien zitieren und dergleichen – Studien liefern immer das Ergebnis, das der zahlende Kunde wünscht. In diesem Sinne vertraue ich zwar – gefühlt – der „Bioseite“ mehr, aber eben nur gefühlt. Faktisch jedoch… siehe oben.

Erstens, der generelle Grund:

Ich möchte, dass die Umwelt so wenig wie möglich belastet wird. Ich möchte, dass ich möglichst wenig belastet werde. Ich möchte Produkte, die keine Quälereien für die Tiere bedeuten. Ich möchte eine hohe Qualität, und meine Ansprüche sind nicht gerade gering. Und ich möchte, dass die Leute, denen ich ihre Ware abkaufe, von dem Erlös leben können.

Zweitens, die Reihenfolge:

  1. Regional
  2. Ökologisch
  3. Bio
  4. persönliche Kenntnis der Umstände
  5. der ganze Rest

Ein No-Go ist Gentechnik. Dazu weiter unten (1.4.1) mehr.

 

1.1 Zum Thema Umweltbelastung

Extensive Landwirtschaft konventioneller Art hat nun einmal das Problem, dass stark zehrende Pflanzen viele Nährstoffe brauchen. Nun verhält es sich so, dass natürlich der Landwirt den höchstmöglichen Gewinn erzielen möchte, und das geht nur, wenn die Pflanze zu 100% genug Nährstoffe hat. Fazit: Es wird eher überdüngt als zu wenig, was demzufolge zu einer hohen Belastung der Gewässer führt. Dass das Problem kleiner geworden ist dank genauerer Berechnung und Technik ist zwar wahr, aber nichts desto trotz besteht das Problem immer noch. Das gilt zwar auch in der Öko- und Biobranche, aber dort in weit geringerem Maße.
Gleiches gilt zum Thema Beize und Pestizideinsatz. Solange Nutzinsekten – als Beispiel die Biene – an dem Zeug zugrunde gehen,  solange bin ich nicht bereit, das entsprechende Mittel zu akzeptieren. Für mich persönlich spricht nichts dagegen, die Preise geringfügig zu erhöhen um die ggf. entstehenden Ausfälle zu kompensieren. Hier sehe ich das Problem in großen Monokulturen, wie sie heute üblich sind – mir ist klar, dass kleinere Felder und wechselnde Fruchtfolgen mehr Aufwand bedeuten, als einfach alles wegzuspritzen, was da noch so rumkreucht und -fleucht. Ich für meinen Teil bin bereit, den Bauern dafür zu bezahlen, dass er mehr Arbeit hat. Ich bin aber nicht bereit, dem Landwirt mein Geld hinterherzuwerfen dafür, dass er mehr Dinge in die Umwelt kippt, als wirklich und tatsächlich sein muss…
Wie immer gibt es hier nicht nur schwarz und weiss – nur viele, viele Schattierungen von Grau.

Leztlich ist es für mich auch eine religiöse Frage: ich denke an diesem Blog ist schon jedem aufgefallen, dass ich „Heide“ bin. Also Alt- und naturreligiös, druido-schamanisch, whatever seems legit…
Langer Rede kurzer Sinn, wie sollte ich denn bitte Geistern und Göttern klar machen, dass ich wissent- und willentlich an der Zerstörung oder Beschmutzung dessen mitwirke,  was ihr Wesen ausmacht? Insbesondere, wenn es nicht nötig ist?
Ja, in der Tat: hier ist es vor allem der Respekt vor der Natur, der für mich das Maß ist. Und aus eben diesem Grunde gilt es IMHO, so wenig schädlichen Einfluss wie möglich auf selbige auszuüben.

 

1.2 Persönliche Belastung

Eigentlich sollte bereits aus dem vorherigen Absatz klar geworden sein, was ich damit meine.
Von allem, was auf den Feldern ausgebracht wird, landet so oder so etwas auf meinem Teller. Die Mengen mögen variieren  von kaum nachweisbar bis „staubt noch“ – aber so oder so…
Dünger ist gut für Pflanzen, ob er Mensch und Tier zuträglich ist, weiss ich nicht. Was Gifte betrifft bin ich mir ziemlich sicher, dass die … nun… halt giftig sind.
Einige lagern sich an, will sagen, hat man sie aufgenommen, dann wird man sie nur schwer wieder los. Dasselbe gilt für Tierfutter – ist das Gift im Tier, dann landet es so oder so auch beim Menschen.
Die Agrarlobby möge mir verzeihen, aber… das muss ich nun wirklich nicht haben. Zwar gibt es auf G+ jemand, der die Meinung vertritt, alles Gemüse und Obst ist giftig, bis es mit Gift behandelt (aka gespritzt) wurde (Die Gedankengänge werde ich niemals nachvollziehen können), aber aus meiner bisher über 40jährigen Erfahrung kann ich guten Gewissens sagen, das ist ein Ammenmärchen. Nein, man muss Pflanzen nicht spritzen. Aber man kann. Nur würde ich dann gerne darauf verzichten, von diesen Pflanzen zu essen…

 

1.3 Tierhaltung

Hier muss ich ganz klar sagen, konventionelle Tierhaltung im großen Stil – nein Danke!
Wenn Ihr unbedingt Tierquäler sein wollt… geht lieber in psychologische Behandlung. Schweineställe mit den Ausmaßen eines Fußballfeldes, in denen Züchtungen hausen, die bei <Ãœbertreibung> einem leichten hüsteln </Ãœbertreibung> tot umfallen, sind eine Perversion und keinesfalls akzeptabel. Gleiches gilt für Kühe, die ihr Leben ausschliesslich auf Spaltenboden fristen müssen. Ausserdem sollen die Tiere durch das Futter und nicht durch Antibiotika zur Schlachtreife gebracht werden.
Pfuibah nein Danke!!!

Nun ist es so, dass gerade viele kleine Betriebe aufgrund des (doch durchaus vorhandenen) Aufwandes darauf verzichten, sich das Biosiegel verleihen zu lassen. Hier kommt dann die Komponente „regional“ in’s Spiel, denn was ich vor Ort mit eigenen Augen sehe, das braucht mir niemand mehr schmackhaft zu machen. Zwar ist das keine Garantie – aber die Viecher wirklich täglich auf der Weide zu sehen, der unversperrte Blick in den Stall – da sieht man, was man ggf. kauft.
Auch hier kann natürlich nicht jeder das Glück haben in der Nähe eines Hofes mit eigener, angeschlossener Metzgerei zu leben. Aber immerhin, ich würde in Erwägung ziehen, den Landwirt mal zu fragen, wer ihm sein Vieh abkauft, wo’s geschlachtet wird und wo verkauft…

Oben habe ich ja schonmal geschrieben, dass ich qualitativ hochwertige Ware bevorzuge – Beispiel Schwein im Extrem: Ein Schwein alter Art (sic!), das zwei Jahre auf der Weide verbracht hat, ist natürlich teurer als ein Schwein, das ein paar Monate in einer kleinen Box gemästet wurde. Dafür schmeckt man den Unterschied aber auch mehr als deutlich – und dass das Weideschwein mehr von seinem – immer noch kurzen – Leben hatte, dürfte auch ausser Frage stehen.
Ich stehe dazu, omnivor zu sein. Aber ich bin auch der Meinung, dass die Tiere es durchweg verdienen, so gut wie m̦glich behandelt zu werden Рund ich bin auch des weiteren der Ansicht, dass Fleisch heutzutage viel zu billig ist. N.b., billig. Nicht preiswert.

 

1.4 Qualität

Ausgehend von dem da oben geschriebenen leite ich für mich ab, was Qualität ist.
Ungebeiztes Saatgut, ungespritzte Frucht aus möglichst wenig invasivem Anbau steht ganz oben. Alles andere ist Qualitätsmindernd. Punktum.
Vieh, das ganzjährig auf der (ausreichend grossen) Weide steht, und nur zugefüttert bekommt, wenn es nötig ist,  das offene Ställe zur Verfügung hat mit dem, was ein $Vieh halt so zum Leben braucht, und was es schätzt… wäre wohl der Idealfall. Mit dem Wegfall eines Punktes sinkt aus meiner Sicht die Qualität. So einfach ist das…

1.4.1 Gentechnik

Gentechnik ist ein No-Go und hat in Essen nichts verloren. Das senkt nicht die Qualität, das reduziert die Qualität auf Null, nada, nicht vorhanden.
Ich bin durchaus davon überzeugt, dass Gentechnik Sinn macht und in gewissem Maße auch notwendig ist – nämlich im medizinischen Bereich. Aber bei essbarem Gut hat sie gefälligst aussen vor zu bleiben, vor allem wenn sie so nutzlos ist wie z.B. beim Genmais, wo sie den Maiszünsler im Griff halten sollte. Schade nur, dass dieser wiederum Resistenzen entwickelt… Hier würden a) eine andere Frucht für einen gewissen Zeitraum und /oder b) natürliche Feinde bessere Abhilfe schaffen. Was natürlich wieder voraussetzen würde, dass man natürliche Feinde nicht wegspritzt. Und selbigen auch eine Lebensgrundlage in der Nähe, bzw. im Feld bietet.

 

1.5 Die Erzeuger

Die Leute sollen von Ihrer Arbeit auch leben k̦nnen. Ja, sollen sie. Das Problem: Viele wollen mein Geld nicht Рsiehe oben.
Beispiel Milch: Alle Milchbauern jammern (mehr oder weniger), dass sie so wenig für den Liter bekommen. Das seltsame daran ist, ich wäre durchaus bereit, 2,-€/Liter zu bezahlen, würde ich die Qualität bekommen, die ich möchte! Gut, das geht nun wegen der rechtlichen Rahmenbedingungen wohl nicht (das wäre nämlich der Liter frisch aus der Kuh „gezapft“), da irgendein Politiker mal meinte, der Verbraucher ist zu blöd um zu merken, wann die Milch „um“ ist. Seither muss sie zumindest pasteurisiert sein, wenn ich das korrekt in Erinnerung habe, und eine solche Anlage ist auch nicht „mal eben schnell“ angeschafft.
Da ich nun also das nicht haben kann, nehme ich eben die immer noch hochwertige Alternative – Bio(verband), frisch, nicht homogenisiert. Muss es länger haltbar sein, eben die H-Milch ähnlicher Quelle. Und sollte es dazu kommen, dass ich „konventionell“ kaufen muss – dann nehme ich die, wo die Bauern immerhin ihre 40ct/l bekommen. Nun, zumindest steht’s da drauf. Ob dem tatsächlich so ist lässt sich schwerlich nachprüfen…

Kurzum, Qualität hat ihren Preis. Aber, um es ganz klar zu sagen: Ich bin bereit, diesen Preis zu zahlen, wenn das Produkt meinen Anforderungen genügt!
Was bei vielen – nicht allen! – konventionellen Erzeugern eben nicht der Fall ist.

 

2.1 Regional

Glücklicherweise wohne ich in einer Region, wo „regional“ zumeist mit „Bioverband“ oder „Bio“ zusammengeht. Für Regional gibt es nun diverse Gründe. Obwohl, in der Hauptsache eigentlich nur zwei:
Als allererstes: Kurze Wege. Je kürzer der Weg, desto weniger  Umweltbelastung durch den Transport. Je kürzer der Weg, desto weniger Streß für die Tiere. Etc.pp.
Bestes Beispiel, die oben schonmal erwähnte Metzgerei, IMHO der Idealfall: Von der Weide zum Verkaufsraum sind es gerade mal vielleicht 50 Meter – durch den Stall in einen weiss gekachelten Raum in die Verkaufstheke. Ganz abgesehen davon, dass die Ware immer ein wenig anders schmeckt – hier regiert noch hauptsächlich das Augenmaß und die Erfahrung… wundert es jemanden, dass dort häufig ausverkauft ist?
Als zweites schliesslich: Support your local dealer. Die, die mir am nächsten wohnen, sind eben als erste dran, gelle? 😉

 

2.2 Öko(logisch)

Darunter fällt bei mir das, was nicht nur das Biosiegel trägt, sondern den einschlägigen Anbauverbänden (u.ä.) angehört – Bioland, Demeter, Naturland etc.pp.
Das EU-Biosiegel ist besser als nichts – letztlich gibt es aber lediglich vergleichsweise einfach zu erreichende Mindeststandards vor. Die Verbände haben da zum Teil erheblich strengere Richtlinien, mit aus meiner Sicht auch erkennbar besseren Ergebnissen.

 

2.3 Bio

Das EU-Biosiegel schliesslich setzt – wie oben gesagt – lediglich die Mindeststandards. Teilweise muss man sich hier aber durchaus Gedanken machen um die Sinnhaftigkeit – Gurken, Tomaten und dergleichen, die zwar nach den Richtlinien produziert wurden, aber in den jeweiligen Ländern für eine Verknappung des Wassers sorgen und dazu noch der weite Transport bis nach Deutschland… tut mir leid, aber da hört dann die Sinnhaftigkeit auf.
Wenn es um Ananas, um bananen etc. geht, ok. Das sind Südfrüchte, die wachsen natürlicherweise auch nur da, wo’s warm ist, und kommen um einen Transport daher nicht umher. Aber Gurken und Tomaten einen langen Weg zu importieren, und das dann Bio zu nennen? Nun, ich weiss nicht.
Wie gesagt, Mindeststandards. Selber denken um so mehr Pflicht.

 

2.4 persönliche Kenntnis

Oben unter 2.1 habe ich schonmal was dazu geschrieben – es muss kein Siegel drauf sein. Solange ich selbst davon überzeugt bin, dass alles meinen Qualitätsbedingungen entspricht, benötige ich das nicht. Natürlich, sowas geht nur regional – und/oder durch Mundpropaganda.
Ein zweiter Bauer z.B. nimmt Vorbestellungen entgegen – erst, wenn die Kuh verkauft ist, wird geschlachtet. Man wartet vielleicht mal etwas – das aber lohnt sich. Auch, und gerechterweise, für den betreffenden Bauern.

 

2.5 der Rest

Was den betrifft, so habe ich da keine Vorlieben im Besonderen. Man schaut halt auf die Zutatenlisten: Gelatine im Joghurt? Was zum Henker hat Gelatine da drin verloren? Warum kommt kaum irgend etwas ohne den Zusatz von Aromen und Geschmacksverstärkern aus? Hallo?
Kurzum, Hirn einschalten beim Einkaufen.

Persönlich habe ich noch das Problem, sehr, sehr nachtragend zu sein. So ist ein Hersteller, der seine Kühe mit Genfutter versorgt hat, bei mir für immer unten durch – gleichgültig, ob er das mittlerweile noch macht oder nicht. Ich kann die Lebensmittelindustrie nicht davon abhalten zu versuchen, die Kunden zu verar…en, aber verdammich: Garantiert werde ich die dafür nicht auch noch bezahlen! So!

 

Fazit

Meiner Meinung nach (Ja, das muss man betonen – manch einer sieht ja seine Meinung als den Nabel der Welt, gelle?) darf Bio durchaus als besser gelten, als konventionell. Das schliesst nicht aus, dass im speziellen der einzelne Bauer „besser“ ist als Bio – nur, dem ist eben nicht allgemein so. Von einem Optimum sind wir weit entfernt, aber Optima definiert jeder für sich selbst.

So ist Bio – aus meiner Sicht – ein Schritt in die richtige Richtung; das Ziel ist es noch nicht. Leuten, denen Profitstreben mehr bedeutet als Gesundheit und Umwelt, wird man so oder so nur über die Geldbörse überzeugen können. Und das, so hoffe ich, wird immer mehr Menschen auch gegen den Widerstand der Agrar- und Industrielobby gelingen durch ihr Kaufverhalten deutlich zu machen.

Über Alariel

Seit diversen Jahren Systemadministrator im Bereich Linux, noch länger passionierter Rollenspieler, Reenactor und überzeugter "Heide". Nebenbei noch Tätig im Bereich der Webseitengestaltung, ob nun einzelne Seiten oder auch mehr.
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Ein Kommentar zu Öko, Bio, Regional und andere Kleinigkeiten…

  1. Dawn sagt:

    WHOW!!!! Korrekt!!!!

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